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Zwischen Traditionstreue und Kritik:
Die Entwicklung einer modernen jüdischen Bibelauslegung
im Schatten der christlichen Theologie


Auftaktveranstaltung der Ute und Dr. Gottfried Mehnert Stiftung
Prof. Dr. Hanna Liss, Heidelberg


Aula der Alten Universität, Marburg, 14.11.2017
Fachbereich Evangelische Theologie

Letzten Dienstag am 14. November 2017 wurde eine neue Stiftung in der Alten Aula der Marburger Universität offiziell ins Leben gerufen. Dr. Gottfried Mehnert hat sie auch zur Erinnerung an seine 2015 verstorbene Frau Ute Mehnert gegründet. Die Stiftung wurde zum 90. Geburtstag des Pfarrers Mehnert vom Dekan Friedemann Voigt vorgestellt.

Die „Stiftung an der Philipps-Universität Marburg“ aus dem Privatvermögen von Ute Mehnert soll zum Austausch zwischen der evangelischen Theologie und jüdischer Wissenschaft beitragen. Der Dekan nannte u.a. das Ziel:

„Wissenschaftliche, redliche Aufarbeitung des Verhältnisse von Christentum und christlicher Theologie zu anderen Religionen und Theologien insbesondere dem Judentum und seiner Theologe. Sie ist dabei auf die vergleichende Gegenwart und auf die Zukunft gerichtet.“

Des Weiteren sollen Beiträge von jüdischen Gelehrten und Rabbinern zur Evangelischen Theologie seit dem 19. Jahrhundert in den Fachgebieten der Bibelwissenschaften sowie der Kirchen und Religionsgeschichte und der Systematischen Theologie gewürdigt und erforscht werden.

Das „Ute und Dr. Gottfried Mehnert“-Symposium wird alle zwei Jahre in Marburg stattfinden.
Gottfried Mehnert publizierte aktuell im Litt Verlag: „Jüdische Wissenschaft im Dialog mit evangelischer Theologie“. Unter anderem geht es in diesem Buch um die Marburger Rabbinerprüfungen und die Auseinandersetzungen mit Adolf von Harnack.

Herr und Frau Mehnert wirkten mit in der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und im Förderverein für die Marburger Synagoge. Ute Mehnert war CDU-Stadtverordnete und langjährige Vorsitzende der Senioren-Union.

Musikalisch begleiteten die Veranstaltung Adjan Schumacher ( Klavier) und Dr. Aniyaha El Mamsy (Saxophon) mit dem Musett aus den Klavierbüchlein Anna Magdalena Bach, danach folgte ein Traditional.

 

Der Dekan Friedemann Voigt begrüßte sehr herzlich zur Auftaktveranstaltung:

Zukunft braucht Herkunft

„Mit dem heutigen Abend stellt sich die Stiftung der Öffentlichkeit vor. Und damit sollte der Beginn einer hoffentlich langen Reihe von Veranstaltungen stehen; in enger Zusammenarbeit mit den Professoren der Religionsgeschichte Kirchengeschichte und Altes- und Neues Testament wird die Stiftung an der Phillips Universität in einem zweijährigen Rhythmus wissenschaftliche Symposien veranstalten. Zukunft braucht Herkunft. Deshalb ist es notwendig, etwas zur Entstehungsgeschichte dieser Stiftung zu sagen, um zu verstehen, was sie für unseren Fachbereich und die Philipps Universität bedeutet und auch in Zukunft bedeuten soll.

Die Stiftung ist von Herrn Dr. Gottfried Mehnert gegründet worden in Erinnerung an seine Frau und aus Verbundenheit mit der Marburger Universität, besonders mit unserem Fachbereich. Stiftung und Stiftungszweck sind mit dem Leben und Bildungsweg von Gottfried Mehnert auf das Engste verbunden. Es sind Anregungen, die er hier in der evangelischen Hochschulfakultät in Marburg empfangen hat, die er aber darüber hinaus bemerkenswert selbstständig und in hoher Verantwortung zur Gegenwart und Geschichte des Protestantismus und der protestantischen Kirche fortentwickelt hat.

 

Hierher nach Marburg kam Herr Mehnert im Jahr 1949 als Student der Theologie und der Religionsgeschichte. Er verließ Marburg als Doktor der Theologie im Jahr 1956. Diese Jahre in Universität und Stadt haben ihn so beeindruckt, dass er im Jahr 1990 nach langer Tätigkeit als Gemeindepastor und als theologischer Referent des Evangelischen Presseverbandes im Norden Deutschlands hierher als Pensionär zurückgekehrt ist. Herr Mehnert hat bei der Stiftungsgründung und den Gesprächen, die wir geführt haben immer wieder hervorgehoben, welche Faszination das Marburger Studium für ihn war und welche Inspiration er daraus empfangen hat. Besonders die Bedeutung der historischen und religionswissenschaftlichen Arbeit für die Theologie war es, die diese Anregungen verschafft hat.

Die Marburger theologische Fakultät hat schon früh im 20. Jahrhundert begonnen, religionskundliche, religionsgeschichtliche und theologische Forschung miteinander konstruktiv zu verbinden. Die Namen, die dafür stehen sind insbesondere Rudolf Otto und Friedrich Heiler, gefolgt von Rudolf Bultmann, Ernst Benz oder Heinrich Frick, die Gottfried Mehnert zu seinen Lehrern zählt. Promoviert wurde Mehnert in einer Kirchengeschichtlichen Arbeit über Kirche und Politik. Eine Arbeit über Programme evangelischer Kirchenzeitungen im 19. Jahrhundert beweist schon 1972 seinen hohen Sinn für eine Theologie und Kirchengeschichtsschreibung , die sich weniger an großen Namen als an Diskursen orientierte. [...] Ein anderer Impuls seiner Marburger Zeit weist den Weg zum heutigen Abend und zur Gründung der Stiftung. Es sind die ökumenischen und religionswissenschaftlichen Anregungen, die sich immer stärker wachsendem Engagement für die jüdisch-christlich Verständigung und die Aufarbeitung des komplizierten Verhältnisses von jüdischer und christlicher Theologie auswirken. [...]"

 

Im Anschluss folgte der Vortrag von Prof. Dr. Hanna Liss aus Heidelberg:

„Die Entwicklung einer modernen jüdischen Bibelauslegung im Schatten der christlichen Theologie.“

Im sehr fachspezifischen Vortrag ging es um die jüdische Bibelauslegung nach eigenen Gesichtspunkten als Gegenstück zur christlichen historischen Schriftforschung und die theologische Philologie des Hebräischen. Dabei spielt eine Rolle, dass die hebräische Schrift ohne Volkalzeichen tradiert wurde. Diese Volkalzeichen sind später als sogenannte Masoretische Zeichen zu den Konsonantenwerten hinzugefügt worden. Es ging um deren inhaltliche Auslegungsprobleme im Gegensatz zur christlichen theologischen Interpretation und Auslegung der Bibel.

 

Prof. Dr. Hanna Liss CURRICULUM VITAE
aus: Hochschule für jüdische Studien Heidelberg

1964 Geboren 1995 Promotion bei Peter Schäfer, Berlin/Princeton und Joseph Dan, Jerusalem/Berlin. Studium der Bibelwissenschaft, Judaistik, Altorientalistik/Assyriologie München, Berlin und Jerusalem. 2002 Habilitation bei Giuseppe Veltri im Fach Judaistik/Jüdische Studien im Fachbereich Kunst-, Orient- und Altertumswissenschaften, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Seit 2003 ordentliche Professorin für Bibel und Jüdische Bibelauslegung an der Hochschule für Jüdische Studien, Heidelberg. WiSe 2017/18 Senior Research Fellow, Maimonides Centre for Advanced Studies, University of Hamburg (10.2017–03.2018)

Verschiedene Lehr- und Forschungsaufenthalte in den USA und in Israel, u.a. 2008: Alfried Krupp Senior Fellow am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald; 2003: Harry Starr Research Fellow in Judaica, Center for Jewish Studies, Harvard University, Cambridge/MA; 2002: First Moosnick Distinguished Professor of Hebrew Bible & Jewish Studies am Lexington Theological Seminary und der University of Kentucky, Lexington, KY.

Ehrungen
Franz-Rosenzweig-Gastprofessorin, Universität Kassel (SoSe 2017)
Kooptierung in die Philosophische Fakultät der Universität Heidelberg (seit 2015).
Ruf an die School of Jewish Theology in Potsdam für Hebräische Bibel und Exegese (2014, abgelehnt).
Nominierung bei der Robert Bosch Stiftung für AcademiaNET - Expert Database for Outstanding Female Scientists and Scholars durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (2012)

 

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Produktdetails
Forum Christen und Juden .16
Verlag: Lit Verlag
Best.Nr. des Verlages:
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Seitenzahl: 169
2017
Ausstattung/Bilder: 2017. 168 S. 23.
Deutsch
Abmessung: 236mm x 164mm x 18mm
Gewicht: 314g
ISBN-13: 9783643136701
ISBN-10: 3643136706

 

 

 

 

 

 

Mehnert, Gottfried
Marburger Spätlese 2016
Kartoniert: 110 Seiten,
9 Farbabbildungen,
13 s/w Abbildungen
SBN 978-3-943556-58-2
Preis: 12,90 €

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