Verlag Blaues Schloss Marburg

Das blaue Schloss

 

Voltaire: Aufklärer, Literat, Europäer

Reihe Uni im Café 7
Lope, Hans Joachim
Voltaire: Aufklärer, Literat, Europäer
Kartoniert, 61 Seiten,
3 Farbabbildungen
ISBN 978-3-943556-28-5
Preis: 8,70 Euro

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François Marie Arouet (1694-1778), der sich 1718 für das Pseudonym Voltaire entschied, gilt als herausragender Vertreter der Aufklärung in Europa und als einer der Großen der Weltliteratur. Sein Candide (1759) wurde zum Wegbereiter der littérature engagée, und nach wie vor steht sein Name für das mutige und erfolgreiche Angehen gegen Machtmissbrauch und Selbstherrlichkeit, für Toleranz, Freizügigkeit, Religionskritik und Laizismus – nicht nur in Frankreich.
Zuweilen gab er sich launisch, eitel und egozentrisch, und dass er mit Geld umzugehen wusste, verübeln ihm manche Kritiker bis heute.
Frondeur, Bewunderer des englischen Parlamentarismus, Asylant auf den Straßen Europas, Höfling in Sans-Souci, Patriarch in Ferney: Die Mythenbildung hat sich Voltaires schon im 18. Jahrhundert bemächtigt und seither immer neue Ausformungen gezeitigt. Doch ist sein Anliegen in zum Teil bestürzender Weise aktuell geblieben. Es genügt, ganz einfach mal wieder eines seiner Werke zur Hand zu nehmen...

Bild Lope Hans-Joachim Lope, geb. 1939 in Wuppertal/Studium (Romanistik und Geschichte) in Köln und Aix-en-Provence/ Promotion in Köln/Studienaufenthalte in Spanien und Belgien/Assistententätigkeit und Habilitation an der RWTH Aachen (1968-1973)/ 1974 Professor für Romanische Literaturwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg. Seit 2003 im Ruhestand. – Chevalier de l’Ordre des Palmes académiques (1987), Mitglied des IFES XVIII der Universität Oviedo/ Mitherausgeber der Zeitschriften Cuadernos de Estudios del Siglo XVIII (Oviedo/ Spanien), Dieciocho (University of Virginia, USA), Anuario de Estudios filológicos (Cáceres/Spanien).


Franz Joachim Schultz schrieb auf www.alliteratus.com am 2.08.2015:

Voltaire, der große französische Philosoph und Schriftsteller (1694– 1778), ist ein Autor, der immer wieder gelesen werden sollte. Seine kritische Toleranz, die in den meisten seiner Werke zum Ausdruck kommt, würde uns auch heute gut tun. Und nicht zuletzt auch seine Ironie, mit der er das Weltgeschehen und die Ideologien, die es regieren, schildert.
Dazu lese man nur seinen Kurzroman Candide (1759), in dem die Behauptung, wir lebten in der besten aller Welten, auf köstliche Weise ad absurdum geführt wird. Dahinter stehen philosophische Theorien, mit denen sich Voltaire auseinander gesetzt hat. Wenn man denen auf die Spur kommen will, dann wird es schon ein wenig kompliziert; auch wenn an Voltaires Lebensweg und seine anderen Werke verstehen will.
Wer dafür eine gut zu lesende Einführung sucht, dem sei das 60-seitige Bändchen von Hans Joachim Lope empfohlen. Lope ist emeritierter Romanist, was dem knappen Essay anzumerken ist. Fußnoten, Hinweise auf die Voltaire-Forschung sind Beleg dafür. Doch insgesamt kenne ich keine Voltaire-Einführung, die in dieser Kürze das Wichtigste zu diesem Klassiker bietet; inklusive Chronologie und weiterführendes Literaturverzeichnis. Manchmal ist Lope für meine Begriffe etwas zu knapp. Zum Beispiel, wenn er Voltaires Verhältnis zu Émilie Le Tonnelier de Breteuil, seiner „großen Liebe“, skizziert. Wer dazu mehr wissen möchte, dem empfehle ich das Buch Émilie und Voltaire. Eine Liebe in Zeiten der Aufklärung (Deutsch von Hubert Mania. Rowohlt 2007). Aber Lope hat Recht: In einer Einführung muss darüber nicht mehr geschrieben werden. Lope geht dafür aber auch auf bedenkliche Seiten Voltaires ein, so auf seine abfälligen Bemerkungen über Indianer, Juden, Muslime (S. 12) oder auf seine Gehässigkeiten gegenüber dem Mathematiker und Kollegen Maupertuis (1698–1759), die zum Teil auf Eifersucht zurückzuführen sind. Émilie war nämlich von Maupertuis als Mathematiker (nicht als Mann) begeistert...
(S. 17–20)
Lope hat seinen Text zuerst als Vortrag in der Neuen Literarischen Gesellschaft Marburg vorgestellt. Da war er in guter Gesellschaft. Da gab es Vorträge über Homer, Jane Austen, George Orwell, Gadamer, Heidegger und einiges mehr. Es ist dem Verleger K. H. Symon zu verdanken, dass diese Vorträge über Marburg hinaus wahrgenommen werden können. In seinem Verlag Blaues Schloss sind sie in der Reihe „Uni im Café“ erschienen. Einfach, aber ansprechend gestaltet. Das Voltaire-Bändchen enthält zum Beispiel schöne historische Illustrationen.

02.08.15 Franz Joachim Schultz

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Bild Voltaire

Voltaire
Zitate und einige Aphorismen:

Alles was du sagst, sollte wahr sein.
Aber nicht alles was wahr ist, solltest du auch sagen.

Ich mag verdammen, was du sagst,
aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass du es sagen darfst.

Gewohnheit, Sitte und Brauch sind stärker als die Wahrheit.

Gott ist ein Komödiant, der vor einem Publikum spielt,
das zu ängstlich zum Lachen ist.

Die Frau ist ein menschliches Wesen, das sich anzieht,
schwatzt und sich auszieht.

Mir sind alle Bücher zu lang.

In den meisten Fällen ist die Todesursache
eines Menschen sein Leben.

Man kann von Propheten nicht verlangen, daß sie immer irren.

Die Gleichheit ist eine sehr natürliche Sache,
aber dabei doch das größte Hirngespinst.

Um die Geschichte seines Landes zu beschreiben,
muß man außer Landes sein.

Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück – Null.

Es gibt Insekten, die nur einen Tag leben,
und doch existiert ihre Gattung immer und immer fort.

Das Vergnügen, recht zu behalten, wäre unvollständig
ohne das Vergnügen, andere ins Unrecht zu setzen.

Eines Tages wird alles gut sein, das ist unsere Hoffnung.
Heute ist alles in Ordnung, das ist unsere Illusion.

Gesellschaftlich ist kaum etwas so erfolgreich,
wie Dummheit mit guten Manieren.

In der ersten Hälfte unseres Lebens opfern wir unsere Gesundheit,
um Geld zu erwerben, in der zweiten Hälfte opfern wir unser Geld, um die Gesundheit wiederzuerlangen. Und während dieser Zeit
gehen Gesundheit und Leben von dannen.

Um zweierlei beneide ich die Tiere: Sie wissen nicht, was an Bösem droht,
und sie wissen nicht was über sie geredet wird.

In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen,
ist schon wieder ein Irrsinn für sich.

Die Gesellschaft braucht eine Ansicht, das Volk braucht eine Religion, gäbe es Gott nicht, müßte man ihn erfinden.

Alles, was zu dumm ist, ausgesprochen zu werden - wird gesungen.

Je öfter eine Dummheit wiederholt wird, desto mehr bekommt sie den Anschein der Klugheit.

Originalität ist meistens nichts anderes als ein noch nicht entdecktes Plagiat.

Die Literatur gibt der Seele Nahrung,
sie bessert und tröstet sie.