Verlag Blaues Schloss Marburg

Das blaue Schloss

 

Machen und SeinLather, Rainer
Machen und Sein
Verlag Blaues Schloss 2013 134 S.
16,90 Euro
ISBN 978-3-943556-21-6
Das Buch ist nicht nur gut zu lesen und dabei anspruchsvoll, es ist engagiert, radikal, zivilisationskritisch, reflektiert und lebenspraktisch - bis zur letzten Seite.

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Machen und Sein Kann es sein, dass unsere Vorstellung vom Tod als Ende und Gegenteil des Lebens nur eine Hilfskonstruktion unseres linear abstrahierenden Denkens ist? Kann es sein, dass es den so vorgestellten Tod gar nicht gibt? Das ist die Eingangsfrage dieses Essays über unser Denken und Wahrnehmen aus der Perspektive eines handwerklich begründeten Denkens. Erlebnisse und Erfahrungen, die der Autor als junger Mann während eines zweijährigen Aufenthaltes in Papua Neuguinea Mitte der 80er-Jahre sammeln konnte, sind das Fundament, auf dem er hier das linear abstrahierende Denken der westlichen Zivilisation in den Kontrast dessen stellt, was er als vielfach gleichzeitiges Beobachten und Wahrnehmen bezeichnet. Der Versuch zeigt die sich kontinuierlich verengende Art des linear abstrahierenden Denkens unseres Kulturkreises, gibt Hinweise auf seine Entstehung, beschreibt an einzelnen Beispielen „Zustände“ bzw. Resultate dieser Verengung und deutet auf Revisionsmöglichkeiten hin. Er versteht sich als Anregung und Aufforderung, die von vielen Zeitgenossen empfundene (grundsätzliche) Misere unserer Zivilisation, nämlich die zunehmende Isolierung und Vereinsamung des Menschen neu zu reflektieren.
Bild LatherRainer Lather wurde1960 in Marburg geboren und malt seit seiner Jugend. Nach seiner Ausbildung zum Schreiner und Techniker und dem Besuch der Werkkunstschule Flensburg arbeitete er unter anderem mehrere Jahre in Papua Neuguinea und Lesotho als Ausbilder und technischer Berater. Inhalt seiner Malerei sind vorwiegend die Menschendarstellung, das Porträt und Porträtserien.
Rainer Lather arbeitet als freischaffender Maler und unterrichtet Kunst, Arbeitslehre und Werken an einer inklusiven Gesamtschule in Gießen.

 

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Leseprobe:

Das Gegenteil des Lebens ist der Tod. Ich bin mir sicher, dass die überwiegende Zahl meiner Zeitgenossen dieser Feststellung nicht widersprechen würde. Neben der Geburt, dem Eintritt in unser Leben, sehen wir den Tod als unabdingbare Tatsache vor uns stehen. Er ist ein gewaltiges, ja gewalttätiges Phänomen und wir empören uns, weil wir die eigene Nichtexistenz nicht denken können. Wie das Leben ist, glauben wir zu wissen, weil wir am Leben sind. Was aber der Tod ist, bleibt uns letztlich verborgen. Ist es ein Zustand, den wir wahrnehmen? Ist es eine „Zwischenzeit“ bis zu einer wie auch immer gearteten Wiedergeburt oder ist es einfach ein ungeheures Nichts? Wir wissen es nicht. Wir forschen in alle Richtungen und sammeln Hinweise, aber außer der Feststellung, dass der tote Körper nichts mehr enthält, was den lebendigen Menschen ausgemacht hat, und der Tatsache, dass eben dieser tote Körper verfault und sich auflöst, haben wir bis heute keine Gewissheit darüber, was der Tod eigentlich ist. Wir entwickeln Vorstellungen vom Tod, um seiner Ungeheuerlichkeit Herr zu werden. Wir rebellieren gegen ihn oder arrangieren uns mit ihm. Letztlich aber bleiben wir ratlos. Wenn wir also nicht wissen, was der Tod ist, woher nehmen wir dann die Gewissheit, dass es den Tod als Gegenteil des Lebens überhaupt gibt? Das ist eine von vielen Fragen, die sich mir durch eine Gegenüberstellung dessen gestellt haben, was ich im Folgenden als „linear-abstrahierendes Denken“ auf der einen Seite und „vielfach-gleichzeitiges Wahrnehmen“ auf der anderen Seite bezeichnen möchte. Unabdingbare Voraussetzungen für unsere Vorstellung vom Tod und der damit einhergehende Umgang mit dem Leben sind die in unserer Zivilisationsgeschichte entwickelte Art eines linear-abstrahierenden Denkens, eine durch dieses Denken weitgehend eliminierte Fähigkeit zu einem vielfach-gleichzeitigen Beobachten und Wahrnehmen und die daraus resultierende, weit fortgeschrittene Individualisierung des Lebens.