Verlag Blaues Schloss Marburg


Das blaue Schloss
Cover 46 Frauen

Hummel, Johannes
Der Glaubens-TÜV
für ein aufgeklärtes Christsein

Kartoniert ca. 200 Seiten
ISBN 978-3-943556-40-7
Preis: 14,00 €

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Kritisch über Kirche zu schreiben hat Konjunktur. Es ist nicht schwer, den Glauben an Gott lächerlich zu machen, wenn man einen fundamentalistischen Pappkameraden aufbaut und den dann auseinandernimmt. Wer so verfährt, hat keine Ahnung von der kirchlichen Wirklichkeit oder ignoriert sie bewusst. Solche Bücher sind nicht ernst zu nehmen, auch wenn sie, Bestseller sind.

Kritisch über die Kirche zu schreiben ist aber notwendig. Es ist notwendig, damit die Kirche sich verändert. Und sie muss sich verändern, um bei ihrer Sache zu bleiben. Deshalb lege ich dieses Buch vor. Es ist eine Insider-Kritik und es hat fast ein Leben lang gedauert, bis ich bereit war, es zu schreiben.

„Wer zu schnell glaubt, hört auf, zu denken.“ Dieses Bonmot aus der Hamburger Krimiserie „Stubbe – von Fall zu Fall“ führt mitten hinein in die Absicht dieses Buches. Es möchte ein Plädoyer für einen aufgeklärten Christenglauben sein. Dazu gehört: sich informieren und nachdenken über das, was „glauben“ heißt. Wer zu schnell glaubt, das heißt, wer einfach für wahr hält, was ihm oder ihr jemand sagt, der als Autorität gilt, ist kindlich naiv oder verblendet. Von einem mündigen Erwachsenen erwartet man, dass er über das Gehörte nachdenkt, es überprüft und beurteilt nach seinem Wissen und Gewissen. Man tut das normalerweise ganz automatisch. Alles andere wäre fahrlässig. Und wer darüber nachdenkt und sich informiert, wird bald merken, dass „glauben“ im biblischen Sinn gar nicht „etwas für wahr halten“ meint, sondern schlicht „vertrauen“.

Johannes Hummel, geb.1938, ev. Pfarrer i.R., Studium Mainz, Bethel, Heidelberg, Hamburg, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Kirchlichen Hochschule und am Ökumenisch- Missionarischen Institut in Berlin.
Gemeindepfarrer in Berlin, Lagos (Nigeria) und Bad Vilbel-Heilsberg. Verheiratet, ein Sohn, lebt in Münzenberg (Wetterau). Hobbys: mittelalterliche Geschichte, Theater, Reisen.

Aus: „Verantwortung“ Nr. 57/ Juni 2016,
Zeitschrift des Dietrich-Bonhoeffer-Vereins

AXEL DENECKE
Rezension zu Johannes Hummel, Der Glaubens TÜV
Für ein aufgeklärtes Christsein
Verlag Blaues Schloss Marburg, 2015. Kartoniert, ca. 200 S., 14,00 €. ISBN 978-3-943556-40-7

Ein kleines, doch sehr wertvolles Buch, das haargenau zu unserer Erfurter Tagung „Verantwortliches Christsein heute" passt, ist kurz vorzustellen. Johannes Hummel, Emeritierter aus Bad Vilbel (vorher wiss. Mitarbeiter der Kirchlichen Hochschule Berlin und am ökumenisch-missionarischen Institut Berlin, dann Gemeindepfarrer in Berlin und Lagos) stellt in diesem „Glaubens TÜV" (TÜV wie Theologischer Überprüfungs-Versuch) seinen eigenen Glauben am Ende seines Berufslebens verantwortlich auf den Prüfstand. Dies geschieht in sehr ehrlicher und selbstkritischer Weise in Form eines Dialoges (Frage-Antwort-Spiel) mit einem formal imaginären Gesprächspartner, der aber das merkt man beim Lesen sehr schnell alles andere als unvorstellbar ist, sondern die Fragen vieler Menschen heute aufnimmt. In einem Dreischritt werden zunächst „Grundfragen zum Verständnis der Bibel und Kirche" (S. 22-98) behandelt, dann wird das Apostolische Glaubensbekenntnis und unsere Gottesdienstgestaltung „kritisch durchleuchtet" (S.99-138), bis darin zum Schluss sehr eindrucksvoll von der eigenen „gelebten Spiritualität, Gebet, Weltverantwortung und christliche Feste" (S. 139-201) berichtet wird, angereichert durch eigene Praxiserfahrungen gelebter Frömmigkeit. Alles ist leicht und auch für Nicht-Theologen schnell verständlich geschrieben. Hehre akademische Begriffe werden weitgehend vermieden oder, wo unumgänglich, sofort erklärt.

„Dogmenfrei" verantwortlich glauben lernen, könnte man Interesse und Zielsetzung des Buches auf den Punkt bringen. Das wird bereits im Klappentext unmissverständlich proklamiert. „Die Kirche, die als Jesusbewegung begonnen hat ... ist heute eine behäbige, alte Matrone, die in dunklen, zerschlissenen Kleidern, einen modrig süßen Duft verströmend, auf einem unbequemen Sessel thront und sich dauernd beklagt, dass niemand sie besucht." Nun ja, das ist schon starker Tobak. Stimmt zwar nicht immer, aber leider immer öfter. Umso schöner ist es, dass es am Ende nicht bei der harschen Kritik bleibt, sondern recht persönlich und eindringlich von der ,Vorwegnahme der göttlichen Zukunft" im Leben eines jeden Gläubigen (und auch nur Halbgläubigen) gesprochen wird. Glaube ist, wie es in Anlehnung an Tagore heißt „der Vogel, der singt, obwohl die Nacht noch dunkel ist", sodass das Eingangsvotum sich bewahrheitet: „Kritisch über Kirche zu schreiben hat Konjunktur. Es ist nicht schwer, den Glauben an Gott lächerlich zu machen, wenn man einen fundamentalistischen Pappkameraden aufbaut ... Solche Bücher sind nicht ernst zu nehmen, auch wenn sie Bestseller sind ... Kritisch über die Kirche zu schreiben ist notwendig, damit sie sich verändert. Und sie muss sich verändern, um bei der Sache zu bleiben" (S. 9).
Ein hoffnungsvolles Buch, das mit Gewinn von jedermann/jederfrau zu lesen ist, um in aufgeklärter Weise heute Christsein zu praktizieren.

Deutsches Pfarrerblatt, Heft 9/ 2015, 115 Jahrgang
Impulse und Anregungen ab Seite 539

Der Autor ist emeritierter Pfarrkollege, Jg. 1938. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Kirchl. Hochschule und am Ökum.- Miss. Institut in Berlin, Gemeindepfarrer in Berlin, Lagos (Nigeria) und Bad Vilbel-Heilsberg. »Das Buch ist entstanden aus dem Frust über die geistlose, aber ,unheilbar gesunde' (Rudolf Weckerling) kirchliche Praxis, die ich in den 15 Jahren seit meiner Pensionierung hier in der ländlichen Umgebung erlebe«, schreibt er mir. Der Titel meint einen »Theologischen Überprüfungs-Versuch« – dafür ist Theologie da! Der Autor stellt seine Meinung zur Diskussion und nimmt das Anliegen von Klaus-Peter Jörns mit seinen »Notwendigen Abschieden« positiv auf und distanziert sich von der flachen Religionskritik des englischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins. Das Buch ist – ein guter Einfall! – in Dialogform geschrieben: Ein Gesprächspartner übernimmt die Rolle des kritisch Fragenden, auch die Positionen der traditionellen kirchlichen Aussagen, die der Autor dann kenntnisreich korrigiert.

Der erste Teil bietet Informationen zum Verständnis der Bibel aufgrund der historischkritischen Methode, der zweite Kritik an Bekenntnis und Gottesdienstgestaltung und insbesondere am Credo; im dritten geht es um wesentliche Aspekte des christlichen Lebens wie Weltverantwortung, Gebet und Segen sowie Inhalte der christlichen Hauptfeste. »So wie ich mich in der Welt verstehe und so, wie ich die Welt verstehe, so will ich auch die Religion und meinen Glauben verstehen. Das nennt man intellektuelle Redlichkeit« (97).
Hummel leitet programmatisch die Einsicht Dietrich Bonhoeffers: »Jesus ruft nicht zu einer neuen Religion, sondern zum Leben.« Sein Hauptziel ist die Veränderung der Sonntagsgestaltung am Beispiel des jüdischen Sabbats: viel Gespräch statt Einweg- Kommunikation. »Im Gegensatz zu seiner Radikalität in der Erneuerung der kirchlichen Lehre hat Luther in der evangelischen Gottesdienstgestaltung das Grundgerüst der katholischen Messe beibehalten. Nun war nicht mehr der Altar, die Eucharistie, das Zentrale, sondern die Kanzel, das gepredigte Wort. Alles Kultische, wie Weihrauch und Weihwasser wurde abgeschafft oder, wie die farbenfrohen Priestergewänder, reduziert auf den schwarzen Talar. Das Ergebnis ist: ein bisschen Kult und ein bisschen Wort; von allem etwas, aber keines richtig. Die evangelischen Gottesdienste hinken auf beiden Seiten. Fünfhundert Jahre Hinken sind genug! Es wird Zeit, aufrecht und selbstbewusst neue Wege zu gehen. Die Kirchen der Reformation brauchen Erneuerung« (13). »Und das darf nicht per Dekret von oben her geschehen, sondern muss von unten her kommen, von den Gemeinden, ihren Gruppen und Kreisen, von Kirchenvorständen und Synoden, bevor es einfließen kann in Kirchengesetze und Ordnungen« (200).
Ein mutiges Programm zur »geistlichen Erneuerung«. Aber das Augustinus-Zitat macht mich sehr nachdenklich: »Es muss in dir brennen, was du in anderen entzünden willst« (193). In wie vielen »brennt« es denn? Bei dem Autor ist es offensichtlich, bei zahlreichen Lesern ist es zu hoffen. Wir kennen in der Kirchengeschichte viele Hoch-Zeiten und Tiefpunkte – es kann durchaus sein, dass die Zeit des Aufbruchs noch aussteht. Und das Bedürfnis nach archaischer Religion ist zwar oft verdeckt, aber vorhanden! Wie darauf reagieren? Der verstorbene Karl Martin, ein verdienstvoller Bonhoeffer-Herausgeber, erklärte einmal, »wir legen jetzt den Samen und wissen nicht, wann er aufgehen wird – ob wir das noch erleben?« Die Kirchenväter benutzten das Bild der Mondphasen, um die Notwendigkeit des geduldigen Wartens auszudrücken. So ist dieses Buch ein kräftiges Samenkorn!

Siegfried Sunnus

Der nachstehende Link verweist auf eine weitere interessante Rezension

http://www.theomag.de/95/hs17.htm




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